Sie sind hier: Startseite > Wissen > Technischer Hintergrund > Technik: Denon Einmessautomatik

Denon Einmessautomatik

Das Wunder von Audyssey

Kennen Sie das: Sie haben tagelang versucht ein Problem zu lösen, doch trotz mehrfacher Anstrengung will es Ihnen nicht gelingen. Plötzlich, völlig unverhofft, fliegt Ihnen die Lösung zu und alles klappt. So ungefähr waren unsere Erlebnisse mit der automatischen Einmessung im Audio-Receiver Denon AVR 4306 (Test in der Ausgabe 05/06). Zwar errang der Receiver mit 90 Punkten eine überragende Wertung doch die vom Hersteller angepriesene Einmessung konnte uns nicht überzeugen. Heute wissen wir aber, dass Audyssey funktionieren kann, aber bis zu dieser Erkenntnis war es ein langer Weg.

10. Mai 2006
Der Denon AVR 4306 verlässt das Testlabor. Trotz mehrmaligen Versuchen verursachte die automatische Einmessung jederzeit eine klangliche Verschlechterung.

26. Mai 2006
Auf der Messe High-End in München präsentierte der dänische Hersteller Lyngdorf eine eigene vollautomatische Einmessung, die tadellos funktionierte. Pikant: Anhand eines Denon AVC-A11 XV mit Audyssey-Einmessung wurden die Fehler von Audyssey demonstriert.

29. Mai 2006
Die amerikanische Website Audioholics testet den Denon AVR-4306 und kommt zu dem gleichen Ergebnis wie wir – Audyssey arbeitet fehlerhaft. Die deutsche Website Areadvd lobt hingegen in ihrem Testbericht die automatische Einmessung, hält sie aber für Filme geeigneter als für Musik.
In den im Internet befindlichen Heimkinoforen werden unterschiedliche Stimmen laut. Einige Käufer waren von Audyssey enttäuscht doch es gab auch positive Stimmen; wir wurden stutzig.

15. Juni 2006
Nachdem wir unseren Heimkinoraum manuell ausgemessen haben und alle Datenblätter zur Audyssey-Einmessung studierten, ging es auf zum zweitägigen Messmarathon. Insgesamt 20 Messungen und 18 Stunden Hörproben brachten erstaunliches zu Tage.

Um die Vorgänge verstehen zu können, müssen Sie jedoch wissen, was Audyssey eigentlich ist. Wie in unserem Akustik-Special in der HD+TV 5/06 beschrieben, treten auch in den besten Räumen klangliche Verfälschungen auf. Um diese Unzulänglichkeiten zu beseitigen, greifen moderne Audio-Receiver auf eingebaute Equalizer zurück, mittels der sich beliebige Frequenzen und damit Töne verfremden lassen. Einfacher ausgedrückt: Der Audio-Receiver hebt und senkt verschiedene Tonlagen. Das ist zwar nicht ganz so effektiv, wie Absorber zu verwenden, aber immer noch besser, als einen dröhnenden Bass zu erleben.
Audyssey ist das erste Messsystem, welches nicht nur einen , sondern gleich mehrere Punkte im Raum betrachtet. Die Messung ist Bestandteil fast aller erhältlichen Denon-Audio-Receiver. Mehrere Raummessungen sind besonders wichtig, denn die Tonwellen sind an jedem Punkt unterschiedlich. So nimmt ein Hörer auf der linken Raumseite Klänge anders wahr als ein rechts sitzender. Um alle Punkte im Raum zu ermitteln, müssen Sie das Mikrofon an verschiedene Stellen im Raum bewegen und jeweils eine oder mehrere Messungen durchführen. Besonders dieser Aspekt entscheidet jedoch über Erfolg Misserfolg von Audyssey.

Dem Handbuch folgen
Wie das beiliegende Begleitheft bereits richtig andeutet, muss das Mikrofon auf einem Stativ angebracht werden. Besonders geeignet, weil günstig, sind hier Kamerastative. Falsche Messungen entstehen, indem Sie das Mikrofon mit der Hand auf die Lautsprecher richten oder es auf der Sitzlehne anbringen. Die richtige Höhe der Aufstellung ist ebenfalls von Bedeutung. Entgegen der Empfehlung, das Mikrofon auf Ohrhöhe zu stellen, sollten Sie das Mikrofon auf die Höhe der Hochtöner Ihrer Lautsprecher stellen. Die erste Messung erfolgt immer an der Hauptsitzposition, also dort, wo Sie am häufigsten Musik hören und Filme schauen. In großen Hörräumen kann es von Vorteil sein, den automatischen Messton lauter zu stellen. Audyssey besitzt eine moderate Grundlautstärke, die sich bei hoher Zimmerlautstärke automatisch erhöht. In unserem Raum herrschte zwar Totenstille, aber der Messton war uns doch zu zaghaft. Je höher nämlich die Lautstärke, umso mehr regen Basswellen den Raum an und desto effektiver kann Audyssey gegen stehende Wellen vorgehen. Da Sie den Messton nicht manuell verstellen können, müssen Sie auf einen kleinen Trick zurückgreifen: Wenn der Receiver seinen Testton aussendet, pusten Sie in das Mikrofon, um die Messung absichtlich zu stören. Audyssey wird jetzt auf den gleichen Lautsprecher wieder einen Testton aussenden, aber merklich lauter. Übertreiben sollten Sie die Windkraft aus den Mundhöhlen aber nicht, denn Audyssey regelt jedes Mal den Ton lauter, was bei drei Anläufen auch den Hausfrieden oder gar den Lautsprechern schaden kann.

Zielgerichtet
Weitaus spannender als die einzelne erste Messung gestalten sich jedoch die darauffolgenden. Wie bereits erwähnt misst Audyssey mehrere Punkte im Raum. Nun erzielt man laut Begleitheft die besten Werte, wenn man einfach alle Sitzpositionen ausmisst – genau hier liegt aber nach unseren Erfahrungen der Fehler. Zunächst müssen Sie sich mit einer Test-CD bewaffnet durch Ihren Raum bewegen. Spielen Sie tiefe Basstöne ab, werden Sie feststellen, dass bestimmte Frequenzen dröhnen. Die Orte, die besonders dröhnanfällig sind, sollten Sie markieren. Audyssey kann leider nur innerhalb der Lautsprecheraufstellung Messungen durchführen. Sie können also nicht in den Raumecken messen, wo das Dröhngeräusch am größten ist.
Für Musikliebhaber bietet es sich an, nur in der Achse des Center-Lautsprechers zu messen. Platzieren Sie das Mikro als nur auf Ihrer Hörposition in der Mitte und anschließend weiter vorn und weiter hinten.
Filmfans und Besitzer von großen Räumen messen hingegen auch außerhalb der mittleren Achse. Hier ist jedoch Ausgewogenheit angesagt. Wer zwei Messungen links vornimmt, sollte auch zwei Messungen rechts tätigen. Sind ihre Dröhngeräusche nicht direkt am Hörplatz sondern einen Meter weiter vorn oder hinten, so messen Sie diese Punkte – im Extremfall messen Sie so alle Zwischenräume und keinen einzigen Hörplatz. Beachten Sie jedoch, dass Sie niemals bei einer Messung selbst zwischen den Lautsprechern stehen, sondern sich eher am Rand aufhalten. Es wird eine höhere Präzision erzielt, wenn Sie einen Punkt zwei- oder dreimal ausmessen.

Feintuning
Audyssey erkennt leider die Größe der Lautsprecher nicht korrekt, was sich aber schnell beheben lässt. Im Lautsprechermenü stellen Sie nach der Messung zuerst die richtige Größe ein (meist „small“ statt „large“) und geben im Menü „Crossover Frequency“ die Übernahmefrequenz zum Subwoofer ein. THX-Sets trennen standardgemäß bei 80 Hertz.
Audyssey agiert in seiner Grundeinstellung etwas zurückhaltend im Bassbereich, weshalb Sie nicht zögern sollten, den Subwoofer-Wert um fünf Dezibel zu erhöhen.

Unerhört
Je nachdem, wie Sie nun gemessen haben, wird sich der Klang nachhaltig verändern. Nur auf der Achse des Center-Lautsprechers ausgemessen, darf sich einzig der Bassbereich hörbar unterscheiden. Mit einer passenden Musik-CD überprüfen Sie Ihre Einstellungen. Klingt der Ton dumpf oder schrill, müssen Sie erneut messen. Der Bassbereich sollte straffer und klarer und Mitten wie Höhen ein wenig prägnanter erschallen. Hören Sie auf erhöhter Zimmerlautstärke einige Zeit, um zu überprüfen, ob sich eine Ermüdung einstellt.
Haben Sie hingegen auch außerhalb des mittigen Hörplatzes gemessen, ist eine sanfte Zurücknahme des Hochtonbereiches unvermeidlich, denn nur so lässt sich ein ausgewogener Raumklang auf allen Positionen realisieren. Natürlich kann auch Audyssey nicht zaubern und ein Ersatz für einen korrekt gedämmten Raum ist es nicht, schließlich ist es immer besser, überhaupt keinen Equalizer zu Hilfe zu nehmen und nur am Raum Veränderungen vorzunehmen. Es gibt jedoch genügend Anwender, die im Wohnzimmer keine Absorber installieren möchten und da ist Audyssey die echte elektronische Alternative.

Am Ende unseres Testmarathons waren wir hoch erfreut, denn Audyssey unterbindet stehende Wellen wirkungsvoll und greift äußerst behutsam in den Frequenzgang ein. Somit ist das System auch anspruchsvollen Hörern zu empfehlen und zwar für Musik und Film. Leider misst Audyssey vollautomatisch und eine Überprüfung der Werte lässt sich nur per Hörproben exakt feststellen. Da ein kompletter Messvorgang mehrere Minuten in Anspruch nimmt, sollten Sie sich schon ein Wochenende freihalten und viel probieren – Sie werden es nicht bereuen!














NachrichtenZeitschriftKaufberatungInhalteWissenShopForum
Lesen Sie auch: DIGITAL FERNSEHENDIGITAL TESTEDDIGITAL INSIDERBLU-RAY MAGAZIN
© 2005 Auerbach Verlag und Infodienste GmbH, Leipzig
ImpressumMedia