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JVC DLA HD1

Revolution statt Evolution?

Kein Produkt der letzten Jahre wurde so innig herbeigesehnt wie der neue Heimkinoprojektor von JVC. Neben den immensen technischen Zahlenspielereien beeindruckten die gezeigten Vergleiche mit Sonys Pearl-Projektor. Im Testlabor der HD+TV musste sich der HD1 aber einem weitaus größeren Gegner stellen: unseren Erwartungen.



Das Gewand des neuen Hoffnungsträgers gestaltet sich überaus edel. Für einen Kaufpreis von 6 499 Euro fällt es schwer, diesen durchaus massiven und wuchtigen Projektor nicht ins Herz zu schließen. An der Vorderseite sind die bereits vielfach diskutierten Lüftungskanäle, wobei der rechte die Luft ansaugt und der linke die warme Abluft nach draußen führt.

Für Zuschauer, die den Projektor hinter sich postieren, mag diese Lösung ein wenig ungünstig erscheinen, doch kann der Projektor mit diesem Kniff auch in einem wandnahen Regal Platz nehmen. Die seitenverkehrte Anbringung an der Decke erhöht im Übrigen nicht die Drehzahl des Lüfters, sodass einer Über-Kopf-Montage nichts im Wege steht.

In den ersten Betriebsminuten hieß es für uns alle Fenster zu öffnen und den Raum nicht zu betreten. Die verbauten Materialien rochen äußerst unangenehm nach Klebstoff. Binnen 30 Minuten war die dicke Luft jedoch verzogen und wir konnten uns an die Arbeit machen.



Ab Werk kalibriert

JVCs Maxime ist es, jeden Projektor ab Werk auf die Kinonorm zu trimmen - und in Teilbereichen ist dies auch gelungen. So zeigt sich die Gamma fehlerfrei, auch die Farbdeckung ist perfekt wie schon lange nicht mehr. Bevor nun wieder kritische Stimmen bezüglich des erweiterten Farbraumes mäkeln: JVC hat die Werte nicht willkürlich gewählt sondern gewissenhaft zwischen der Kino- und Fernnorm platziert.


So soll es sein: JVC erweiterte den Farbraum höchst präzise und passte die interne Farbsättigung ab Werk an. Der DLA HD1 stellt Bilder somit wie im Kino dar und wirkt nicht künstlich bunt

Zudem ist die Farbsättigung ab Werk dem Farbraum angeglichen, sodass die Bilder niemals bunt, sondern immer natürlich wirken. Lohn der Mühe sind tiefere Farbtöne als es bisherige DLP- oder LCD-Projektoren zeigten. Nicht ganz so perfekt war bei unserem Testmodell die Farbtemperatur, welche entweder deutlich zu rötlich oder zu blau schien. Mittels weniger Handgriffe und nur vier Reglern konnte dieser kleine Makel aber beseitigt werden. Kalibriert zeigt der JVC DLA HD1 einen perfekten Graustufenverlauf ohne Ausreißer.


Im Auslieferungszustand nocht nicht perfekt lässt sich die Farbtemperatur in Windeseile auf den Sollpunkt trimmen – vorbildlich

Die Schärfe des JVC DLA HD1 kann sich mit sehr guten Konkurrenten wie dem Mitsubishi HC5000 messen. Ab Werk ist der Japaner zwar ein wenig vorsichtig eingestellt, aber der Griff zum Schärferegler offenbart die ganze Pracht ohne Doppelkonturen oder andere negative Begleiterscheinungen. An die Schärfereferenz, den Marantz VP-11S1, kommt aber auch der JVC nicht heran.

Die Farbverschiebung der einzelnen D-ILA-Panel lässt sich per Menü fast beseitigen, nur an den Rändern sind feine Farbsäume von ein bis zwei Pixel Breite zu erkennen. Wir bezweifeln jedoch, dass irgendjemand auf die Idee kommt, sich aus 30 Zentimetern Entfernung bei zwei Meter Bildbreite einen Film anschaut und diesen Effekt überhaupt bemerkt.



Vergessener Luxus

Wir geben es zu: Redakteure können auch einmal faul sein, besonders dann, wenn uns JVC Konkurrent Mitsubishi mit dem HC5000 die Einstellung der Optik per Fernbedienung in den Schoß legt. Der JVC DLA HD1 muss dagegen per Hand zur Leinwand justiert werden, was nicht gerade komfortabel ist. Auch könnten die zwei Rädchen für den Lensshift etwas mehr Griffigkeit vermitteln, und die Schärfeeinstellung direkt an der Optik ist ebenfalls eher Glückssache.

Durch die extrem hohe Auflösung von zwei Millionen Bildpunkten sollte ein zweiter Helfer die Schärfe direkt an der Leinwand überprüfen um die maximale Bildqualität zu gewährleisten – beim HC5000 war das Dank Fernsteuerung kein Problem. Auch der Zoom erfolgt manuell, was Besitzer einer 21:9-Leinwand sicher nicht in Jubelstimmung versetzt. Apropos 21:9: Bei zugespielten HD-Auflösungen ist die Verzerrung des Bildes (Zoom) nicht aktiv. Somit eignet sich der JVC DLA HD1 auch nicht für eine Vorsatzlinse - zumindest bis ein Update diese Beschränkung aufhebt.

Aufgrund der pixelgenauen Abbildungen sollten zwar Streckungen des Bildes konsequent vermieden werden, doch angesichts der nicht gerade üppigen Lichtleistungen wäre eine Vorsatzlinse bei Spielfilmen ein Gewinn für die Bilddynamik.

Die generelle Bedienung und Installation verdient aber ein großes Lob. Der Zoombereich ist außerordentlich groß, ebenso wie der Lensshift. Aufgrund der wahlweise geringen Projektionsdistanzen wird es keinen Heimkinoraum geben, in dem der Projektor nicht die passenden Bilder zur Leinwand wirft.

Gebt uns Licht

Bevor wir zum Aushängeschild des Projektors, dem Kontrast und Schwarzwert kommen, noch ein paar Worte zur Lichtleistung. In der letzten Ausgabe der HD+TV haben wir den Mitsubishi HC5000 als einen der lichtschwächsten überhaupt gebrandmarkt, was angesichts der derzeitigen Entwicklung wohl ein wenig Abseits der Realität zu sein scheint. So produziert auch der JVC DLA HD1 nur durchschnittliche Lichtleistungen.

Im Modus Normal trifft der Projektor exakt die Helligkeit des HC5000, im hohen Lampenmodus kann er den Widersacher mit 20 Prozent mehr Helligkeit etwas distanzieren. Leider erhöht sich der Geräuschpegel des Lüfters dann jedoch auch auf ein unangenehm hohes Maß, sodass dieser Modus kaum zu empfehlen ist. Selbst im normalen Einstellbereich dröhnt der JVC DLA HD1 lauter als der Mitsubishi HC5000 unter Volllast, was angesichts des großzügigen Gehäuses etwas enttäuscht.

Wer sich mit der Kinovorschrift zufrieden gibt, kann das Bild auf 2,3 bis 2,5 Meter Breite vergrößern. Damit ist der JVC zwar kein Großbildmeister aber deutlich teureren Konkurrenten wie dem Marantz VP-S11 immer noch voraus.

Kleinere Detailmängel offenbart der JVC DLA HD1 beim Shading, welches bei unserem Testmodell bei ganzflächigen Graustufen bemerkbar war, in Filmen aber niemals störte. Die zweite Unachtsamkeit ist eine Blaufärbung in der oberen rechten und unteren linken Bildecke. Da diese aufgehellten Ecken außerhalb des sichtbaren Bildes liegen, wird dies durch die Anpassung des Leinwandrahmens jedoch kaum jemand bemerken.



Tiefe Einblicke

Als JVC die ersten Kontrastangaben mit 15 000:1 betitelte, geriet die Fachwelt in Aufruhr: Wie ist diese Leistungsexplosion nur möglich? In unserem Messlabor gingen wir der D-ILA-Technik auf den Grund. Wird eine komplette Schwarzfläche angezeigt, so bewegt sich der DLA HD1 auf Röhrenniveau, was im Klartext bedeutet: 0,01 Candela Resthelligkeit. Dieser Wert ist deutlich besser als alles, was bislang auf dem Markt existiert, Fernseher eingeschlossen.

Damit hat JVC im Schwarzwert mit der Röhre gleichgezogen, was angesichts der „erleuchteten“ Konkurrenz ein kleines Ausrufezeichen darstellt. Die nahezu absolute Dunkelheit raubt dunklen Szenen auch nicht die Durchzeichnung, sodass alle Details erhalten bleiben. Falls Sie aber nun denken, dass dieser Wert eine gleichbleibende Bilddynamik erlaubt, so müssen wir Sie enttäuschen.

Denn auch wenn JVC keine Iris eingebaut hat, so sind die Kontrastschwankungen enorm – dieses Phänomen tritt übrigens auch bei Röhrenfernsehern oder Projektoren in gleicher Form auf. Als erstes Beispiel nehmen wir ein dunkles Weltall, welches von vielen hellen kleinen Sternen ausgeschmückt ist. Hier erzeugt der JVC eine enorme Bildtiefe mit sehr hellen Himmelskörpern. Je kleiner die Weißflächen und je mehr Schwarzanteile im Bild vorhanden sind, desto größer wird der Kontrast.

In dieser Konstellation schafft der JVC Werte von über 6 000:1, was andere Technologien wie DLP oder LCD um den Faktor fünf bis zehn überflügelt. Selbst ein durchweg dunkler Marantz VP-S11 kann dem JVC DLA HD1 nicht das Wasser reichen, denn bei gleichwertigen Schwarzwerten ist die Helligkeit und damit der Kontrast sichtbar höher. Doch der JVC kann im Kontrast auch völlig einbrechen, nämlich dann, wenn Weißanteile überwiegen und Schwarzbereiche gleichberechtigt angezeigt werden.

Deutlich zu sehen ist dieser Kontrastverlust in den Warnhinweisen vor jeden Film, wenn der Mitschnitt oder die Kopie des Materials untersagt wird. Hier zeigt sich der schwarze Hintergrund aufgehellt (0,5 statt 0,01 Candela) und die weiße Schrift aufgrund der geringen Lichtreserven nur bedingt hell. In solchen Szenen kann der JVC DLA HD1 sogar dem LCD-Projektor HC5000 von Mitsubishi unterliegen. Wer demnach Videospiele oder Computerprogramme samt Textfenstern in den Mittelpunkt seiner Unterhaltung stellt, wird keine Vorteile im Vergleich zu bisherigen Projektoren wahrnehmen.

Im krassen Gegensatz hierzu bricht der JVC DLA HD1 in Filmen alle Rekorde, denn solch eine plastische Wiedergabe war mit anderen Digitalprojektoren noch nicht möglich. Dies gilt übrigens für alle Preisklassen. Wer allerdings ein lichtstarkes Modell sein Eigen nennt sollte vorsichtig sein: Einen Sony Qualia ersetzt auch der JVD DLA HD1 nicht. Für Bildbreiten bis maximal 2,5 Meter gibt es bis auf Röhrenprojektoren jedoch keine besseren Angebote, was angesichts der extrem teuren DLP-Full-HD-Konkurrenten einer Revolution gleichkommt. Sollte man den JVC anhand seiner Mitbewerber charakterisieren, so besitzt dieser Beamer die Helligkeit eines Mitsubishi HC5000 und den Schwarzwert eines Marantz VP-S11. Die weitaus bessere Farbwiedergabe ohne Bildmängel wie Regenbogeneffekte überflügelt die Konkurrenz in Teilbereichen sogar deutlich.

Wer sich im Frühjahr einen Blu-ray-Player mit ruckelfreier Bildausgabe via 1080p24 zulegt, wird keine Probleme haben über den JVC DLA HD1 dieses Material abzuspielen. Wie bereits seine Konkurrenten unterstützt der Beamer die wohl wichtigste Auflösung der kommenden Jahre mit 24 Bildern. Leider hat es JVC versäumt, dem Chip eine eigenständige Routine einzupflanzen, welche das Bewegungsruckeln bei 60-Hertz-Material selbständig löst (Reverse Pulldown) – hier steht Fernsehentwickler Pioneer immer noch allein auf weiter Flur.

Für wen geeignet?

Der JVC ist die richtige Wahl für alle, die bislang den Projektorkauf scheuten oder in die absolute High-End-Klasse aufsteigen wollen, ohne dafür ihr Haus verkaufen zu müssen. Der Raum sollte aber unter allen Umständen komplett abgedunkelt werden. Eine maskierbare Leinwand bringt auch bei diesem Produkt Vorteile, da der Schwarzwert wie geschildert extrem variieren kann.

Somit bleibt als Fazit: Der JVC DLA HD1 bringt uns nicht die besten Bilder aller Zeiten, aber er gehört zu den besten Projektoren am Markt und rangiert mit Respektabstand vor der direkten Konkurrenz - für 6 499 Euro ein Angebot, das Heimkinofans nicht ausschlagen sollten.



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