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Pioneer-Interview

“Es ist an der Zeit, die Technologie der Gegenwart endlich auch zu nutzen.”

Sieben Tage nach der Präsentation der neuen Pioneer-Plasmareihe traf HD+TV Pioneer-Produktmanager Jürgen Timm in München während der High-End-Messe 2007. Sein Gesichtsausdruck wirkte entspannt und positiv, ohne Umschweife gelangten wir ins Gespräch.

Herr Timm, nachdem der Presse vom 7.-9. Mai die neuen Plasmas präsentiert wurden, folgten die Fachhändler. Welche Reaktionen riefen Pioneers neue Produkte und Strukturen hervor?

Pioneers durchaus polarisierende Entscheidung, gänzlich auf schwarz glänzende Gehäuse zu setzen, sowie mittels Shop-in-Shop-Systemen die Präsentation vor Ort zu bereichern, wurde sehr positiv aufgenommen. Besonders das frische Erscheinungsbild unserer Marke, welches nun weniger dem japanischen als vielmehr dem Weltmarkt angepasst wurde, traf auf Gegenliebe. Für den Fachhandel ist es bedeutend, dass die vertretenen Marken einen hohen Identifikationsgrad besitzen, welcher nun europaweit einheitlich gewährleistet ist.

Können alle Pioneer-Händler das neue Shop-in-Shop-System aufgreifen?

Natürlich ist es aus unterschiedlichen Gründen, sei es die Kosten- oder Platzfrage, nicht immer möglich, unsere bis zu 13 Meter erweiterbare Wand zu integrieren, doch bereits eine abgespeckte Variante mit 1,3 Metern Breite reicht aus, um ein komplettes System aufzuzeigen. Freistehende Insellösungen bieten auch außerhalb der Wandnähe eine einfache Möglichkeit, unsere Produkte zu platzieren. Pioneer selbst stellt nicht nur die benötige Vorrichtung, sondern auch die Beleuchtungstechnik, Signalzuleitung und Stromversorgung dem Fachhandel zur Verfügung. In Nürnberg und Umgebung werden dieser Tage die ersten Systeme installiert.


Jürgen Timm, Produktmanager Pioneer,
im Gespräch mit HD+TV

Ist Pioneers neues Konzept langfristig angelegt?

Die Basis unseres jetzigen Systems zur Präsentation und Markenpflege wird uns die kommenden vier bis fünf Jahre begleiten. Mit der unsichtbaren Verkabelung, der hohen Flexibilität beim Einbau in die Geschäfte und die Unterstützung von Fernsehern jenseits der 60 Zoll haben wir ein zukunftsorientiertes Modell geschaffen – beispielsweise können bis zu acht Zuspieler über HDMI für die Präsentation genutzt werden.

So kreativ wie die Produktpräsentationen im Fachhandel scheinen die Designs der neuen Fernseher jedoch nicht ausgefallen zu sein. Weshalb bieten Sie nicht unterschiedliche Farben?

Bei einem Flachbildfernseher stellt ein schwarzer Rahmen ein Ideal dar, um das subjektive Kontrastempfinden zu steigern. Natürlich haben auch wir Anfragen bekommen, in denen Kunden Wünsche nach einem weißen Rahmen im Apple-Look oder Holzelementen geäußert haben. In Zusammenarbeit mit einigen Fachhändlern ist es bereits heute möglich, diesen Wünschen nachzukommen. Wir als Großserienhersteller können die sehr aufwendigen Logistik- und Produktionsabwicklungen jedoch nicht in dem Maße realisieren, um sämtliche Farbvariationen zu ermöglichen. Allein die Wartezeit eines speziell designten Fernsehers würde zwei Monate betragen. Sollte es sich in der Zukunft herausstellen, dass der Kunde einen Aufpreis, sowie die genannte Wartezeit ähnlich wie beim Automobil- oder Möbelkauf akzeptiert, so können wir uns durchaus vorstellen, auch in diesem Segment weitere Verbesserungen anzubieten. Unflexibel sehen wir unser Konzept allerdings nicht, denn der Kunde kann zwischen Standfuß, Wandhalterung, persönlichen Bildvoreinstellungen und den vielfältigen Ausstattungs- sowie Größenvarianten wählen.

Hersteller wie Loewe bieten bereits Fernseher mit HDTV-Tuner samt Festplatte. Wäre Pioneer dazu ebenfalls in der Lage?

Wir haben bereits mit unseren DVD-Recordern bewiesen, dass wir Abseits des reinen Fernsehers auch die Programmaufzeichnung technisch wie benutzerfreundlich meistern können. Wir fixieren uns dennoch auf spezialisierte Geräte, um deren Qualität und Einfachheit zu optimieren. Ein Doppeltuner ist sicherlich eine sinnvolle Ausstattung, ein Dreifach- oder Vierfachtuner stellt den einen oder anderen aber vielleicht schon vor gewisse Herausforderungen. Zusätzliche Elemente wie Festplatten sind für einige Kunden sinnvoll, für die große Masse allerdings nicht immer gewünscht. Da wir mit USB-Schnittstellen an unseren neuen Plasmas ebenfalls dem Trend zum Multifunktionsgerät Rechnung tragen, kann ich die Entscheidung anderer Firmen, ebenfalls alle Tuner und eine Festplatte zu integrieren nachvollziehen. Für uns steht allerdings der Fernseher zur Präsentation des Bildes, nicht zum Empfang im Mittelpunkt.

Das größte Plus der neuen Plasmas ist unbestritten die dramatisch verbesserte Bildqualität. Wie groß ist aber der Unterschied zwischen den HD-ready-Fernsehern welche im Sommer erscheinen und den Full-HD-Modellen im Herbst?

Die Sommerneuheiten bieten nicht die volle HD-Auflösung mit zwei Millionen Bildpunkten und Kontrastraten von 16000:1. Unabhängig von der Messmethode entspricht dies einer Vervierfachung des sichtbaren Bildkontrastes im Vergleich zur Vorgängerlinie. Die im Herbst folgende Generation bietet die volle HD-Auflösung, wodurch die Zell- und Filtertechnologie der Spitzenmodelle eine andere ist. Wir bieten zwei Full-HD-Baureihen an. Eine mit Kontrastraten von 20000:1 und eine weitere mit speziell optimierten Filtern, welche in ihrer Stückzahl begrenzt und mit einem Aufpreis versehen ist, für Kontrastwerte bis 22000:1. Wir überlegen momentan die nochmalige Steigerung der Bildqualität durch den Namen Ultra-Black-Filter auch marketingtechnisch nach außen zu tragen.

Wird die neue Linie einen eigenen Titel abseits der kryptischen Produktbezeichnungen erhalten?

Ich kann mir gut vorstellen, dass wir auf den Projektnamen Kuro, was im Japanischen schwarz bedeutet, bei der Veröffentlichung zurückgreifen. Weiterhin werden wir das Thema Kontrast in unserer Werbung weiter bündeln und dahingehend die Kommunikation gestalten.

Der jüngst in Europa erschienene Blu-ray-Player scheint, ähnlich wie das amerikanische Modell BDP-HD1, bereits in wenigen Monaten durch den Nachfolger abgelöst zu werden.

Der BDP-HD1 kam durch die mangelnde Verfügbarkeit an Chipsätzen mit Verspätung auf den amerikanischen Markt und gilt intern als Modell 1.0. Für unsere europäische Version wollten wir nicht auf die CD-Wiedergabe verzichten, sodass unser jetzt erhältliches Modell LX70 die Bezeichnung 1.5 tragen könnte – es ist sowohl im Design als auch in der Ausstattung dem amerikanischen Modell überlegen. Die neue Optik hat unseren amerikanischen Kollegen sehr gut gefallen, sodass der angekündigte Nachfolger des BDP-HD1, der BDP-S94, im Design mit dem europäischen Modell gleichzieht und aufgrund des zeitlichen Vorsprunges ein weiteres Mal mit verbesserter Technik aufwartet. Die Möglichkeit HDMI-Chipsätze der Version 1.3 zur Verfügung zu stellen, besteht bei uns ab Sommer, sodass auch wir im Herbst ein zweites Modell einführen werden, den BDP-LX70a. Die Preise für das technisch höherwertigere Modell stehen noch nicht fest, der BDP-LX70 mit HDMI 1.2a kostet 1399 Euro. In Anbetracht der alleinigen Bildausgabe mit 24-Bildern und der Netzwerkfähigkeit bekommt der Kunde zwei gravierende und entscheidende Vorteile im Vergleich zu den Mitbewerbern. Wir werden uns kundenfreundlich bezüglich eines Updates der Tonformate gegenüber den Kunden verhalten – ein Upgrade der HDMI-Schnittstelle ist aber nicht möglich. Eine Unterstützung der DTS-HD-Master-Audio-Tonspur können wir im Moment nicht garantieren. DTS High Resolution und Dolby True HD bis 48 KHz wird durch ein Update freigeschaltet werden.

Welche HDMI-Versionen besitzen die neu erscheinenden Pioneer-Produkte?

Die Plasmas der achten Generation sind alle mit HDMI-1.3 ausgestattet, die neuen LX-bezeichneten AV-Receiver ebenfalls. Der Blu-ray-Player ist mit 1.2a noch ein kleine Hürde, die wir aber im Herbst genommen haben werden.

Pioneer-Plasmas besitzen die Möglichkeit, aus jeden gewandelten 1080i-Signal der Blu-rays und HD DVDs, dass ursprüngliche Bildformat mit ruckelfreien 24 Bildern zurückzuermitteln. Weshalb sollten Kunden nochmals 1399 Euro für den Pioneer-Blu-ray-Player ausgeben, der eine 1080p24-Ausgabe besitzt?

Auf der Blu-ray-Disc sind die Filme mit 24 Vollbildern abgelegt, sodass die optimale Wiedergabequalität nur dann erreicht wird, wenn die komplette Kette diese 24 Bilder beibehält. Jeder Schritt, ein 24p-Bild durch einen unzureichenden Player zunächst in Halbbilder oder in veränderter Frequenz zu übertragen und anschließend im Panel wieder in das richtige Tempomuster zurückzuführen, bedeutet ein bis zwei zusätzliche Rechenschritte, die der Bildqualität nicht zu Gute kommen. Die wirklich perfekte Performance wird nur mit einer durchgängigen 1080p24-Wiedergabe erreicht und dies möchten wir unseren Kunden ermöglichen, auch wenn sicherlich nicht jeder zu einem Pioneer-Player greifen wird.

Das Filmstudio Warner hält einige bereits auf HD DVD veröffentlichte Titel für Blu-ray noch zurück, bis die interaktive BD-Java-Funktion gewährleistet ist. Diese galt zunächst nur optional und wird nun flächendeckend eingeführt. Besitzt der im Herbst erscheinende Player BDP-LX70a diese Funktion?

Ja. Die BD-Java-Spezifikationen sind im Rahmen der Blu-ray-Disc-Associtaion noch einmal überarbeitet worden, denn die Filmstudios stellen sich hier zum Teil sehr anspruchsvolle Lösungen vor. Natürlich möchte man auch eine Abwärtskompatibilität mit den Playern der ersten Generation erreichen. Bei einem Zusammenschluss aus über 170 Firmen ist dieser Prozess zu einem allgemein gültigen Standard zu kommen aufwändiger, als beispielsweise im HD-DVD-Lager. Die Konsequenz der Verhandlungen sind: Ab dem 1.11.2007 müssen alle Player mit einem Arbeitsspeicher von einem Gigabyte ausgestattet sein, aktuell verbauen wir 256 Megabyte. Damit werden die BD-Java-Funktionen sauberer, schneller und stabiler ablaufen. Filmstudios wie Warner, welche sich neutral in beiden Lagern bewegen, wollen natürlich die optimale Qualität ihrer Produkte sichern, sodass die Entscheidung, manche Titel erst nach Erscheinen der neuen Player auf den Markt zu bringen, verständlich ist – nichtsdestotrotz werden alle Warner Titel auch auf Blu-ray erscheinen.

Sehen Sie sich bestätigt allein das Blu-ray-Format zu forcieren, nachdem auch Kinowelt und Senatorfilm auf den Blu-ray-Zug aufgesprungen sind?

Wir haben uns bereits von Anfang an auf das Blu-ray-Format konzentriert, weil die HD DVD aufgrund ihrer mangelnden Zukunftsperspektive nicht in Frage kam. Die aktuellen Entwicklungen zeigen glaube ich deutlich auf, dass der Kunde neben den Wunsch nach einem Format, eine große Titel- und Geräteauswahl erwünscht. Es ist sicherlich förderlich für ein Format, wenn es in einer großen Vielzahl innerhalb bekannter Marken angeboten wird. Nachdem zusätzliche Produktions- und Authoringkapazitäten auch für kleinere Studios zur Verfügung stehen, ist der Siegeszug der Blu-ray glaube ich nicht mehr aufzuhalten, denn die Titelvielfalt wird jetzt enorm steigen.

Wird Universal in Zukunft seine Titel auch für das Blu-ray-Format veröffentlichen?

Wir gehen davon aus, dass Universal-Titel auch auf Blu-ray verfügbar sein werden.

Weshalb bietet Pioneer für das große Kinoerlebnis keine Projektoren an?
Wer unsere Historie kennt weiß, dass wir auf eigene Technik und die eigene Entwicklung setzen. Wir möchten unsere Produkte aus eigener Kraft produzieren und vermarkten, um die Unabhängig zu bewahren. Im Bereich der Projektoren wären wir zu sehr auf dritte Anbieter sowie Zulieferer angewiesen.

Welche Preisspanne wird die neue Plasmageneration umfassen?

Das im Sommer erscheinende 42-Zoll-HD-ready-Panel beginnt bei 2300 Euro. Das 50-Zoll-Display sehen wir bei 3600 Euro. Die Full-HD-Modelle, welche nur in 50 und 60 Zoll vorliegen, bewegen sich natürlich darüber, aber die Grenze zum fünfstelligen Euro-Bereich wird selbst mit den Top-Modellen im Herbst bei weitem nicht erreicht.

Besteht bei einem technologischen Sprung nicht die Gefahr, dass Besitzer der alten Serie sich unzufrieden fühlen und ihr Gerät am liebsten wieder in Zahlung geben würden?

Grundsätzlich muss die Entscheidung ein Produkt zu einem bestimmten Zeitpunkt zu erwerben, selbst getroffen werden. Wenn ich heute einen PKW kaufe und sehr viel Geld investiere, so gibt es keine Garantie, dass nach einem Jahr nicht ein besseres Modell auf den Markt kommt. Somit stellt sich immer die Frage, ob die hohe Investition die richtige Entscheidung war. Technologie entwickelt sich sehr schnell weiter und an der Speerspitze der Entwicklung dabei zu sein bedeutet, zu einem Zeitpunkt in den Markt einzusteigen, in denen die Produktionskapazitäten gering und damit die Kosten pro Einheit sehr hoch ausfallen. Jeder Kunde der so früh in neue Technologien investiert wird belohnt, indem er Erfahrungen und Eindrücke sammelt, von denen andere nur träumen. Jeder muss für sich entscheiden, wie viel er bereit ist in solch ein Erlebnis zu investieren.

Werden wir in den kommenden Jahren immer wieder solche Technologiesprünge wie mit der jetzigen Plasmageneration erleben, sodass die Werte für Kontrastangaben und Farben nahezu ins unendliche anwachsen?

Über bestimmte Messmethoden beispielsweise zur Ermittlung der Kontrastwerte ließe sich vortrefflich streiten. Wir haben bereits bewiesen, dass auch Displays mit einer geringeren nativen Auflösung bei Bewegtbildern eine deutlich bessere Bildschärfe erzielen können, als Full-HD-Panel der Konkurrenz. Neue Filter- und Paneltechnologien werden die Werte aber auch in Zukunft immer weiter steigern, inwieweit unsere Wahrnehmung die folgenden Verbesserungen noch honoriert und die angeschlossenen Signalquellen diese Bereiche ausnutzen, Stichwort Deep Color, bleibt aber abzuwarten. Beispielsweise wird die 36-Bit Farbtiefe, die uns HDMI-1.3a ermöglicht, von bislang keiner mir bekannten Disc unterstützt. Hier sind vorrangig die Produktionsstudios gefordert, die alten Zöpfe der PAL- und NTSC-Zeit abzuschneiden und sich den technischen Gegebenheiten der Gegenwart zu stellen. Wir haben passende Aufnahmegeräte von Arri oder Panavision, kreative Künstler, die mit diesem Farbraum arbeiten und Medien sowie Wiedergabegeräte welche das Farbenplus darstellen, es ist also an der Zeit, diesen auch zu nutzen.



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