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Canon HV30

Es ist noch gar nicht so lang her, als Canon mit dem "HV20" einen Camcorder auf den Markt brachte, dessen optische Eigenschaften über Monate hinweg die Referenz darstellen sollten. Aufgrund von Tonproblemen und Bedienschwächen schlitterte die HDV-Cam jedoch an einer Höchstwertung vorbei. Macht das Nachfolgermodell "HV30" endlich alles richtig?



Aufpoliert

Allein der schwarze Anstrich der "HV30" wirkt um einiges edler als der schlichte Plastik-Look der Vorgängerin und vermittelt so eher das Gefühl, ein hochwertiges Stück Technik in den Händen zu halten. Die Blitzschuh-Klappe wurde fest am Gehäuse arretiert und kann nicht mehr vom Winde verweht werden. Stark verbessert wurde auch die Zoomwippe, obgleich ihr Druckwiderstand zu gering ist. Das Fokusrad bleibt dagegen weiterhin ein Problemkind. Sowohl in der Positionierung gleich hinter dem Monitor, als auch in der Haptik gibt sich das Rädchen nicht unbedingt als Freund von Ergonomie. Halteriemen und Auslöseknopf wurden mit allen ergonomischen Schwächen von der "HV20" übernommen. Schade, dass Canons Entwicklungsabteilung nicht ein bisschen mehr am Gehäuse der "HV30" geschraubt hat.

Zur Ausstattung gehören neben dem erwähnten Fokusrad auch ein klassischer – leider unbeweglicher – Sucher sowie eine eingebaute Videoleuchte, die jederzeit per Tastendruck aktiviert werden kann. Zwar ist die kleine Leuchtdiode keine wirkliche Alternative zur echten Videolampe, auf kurze Distanz reicht sie jedoch aus. Der LCD-Monitor hat gegenüber der "HV20" eine etwas höhere Auflösung und lieferte im Test ein scharfes, überwiegend farbtreues Vorschaubild. Direkt unterhalb des Monitors liegt das Tastenfeld für die Bandsteuerung im Abspielmodus. Im Aufnahmemodus aktiviert ein Druck auf die Stopp-Taste zusätzlich die Fokushilfe. Wer beim Filmen allerdings den Monitor zugunsten des Suchers eingeklappt lässt, kann diese Funktion nicht nutzen. Richtig gut gelungen ist Canon die Menüsteuerung. Mit dem kleinen Joystick lässt sich schnell navigieren, was sich aufgrund der Funktionsvielfalt als äußerst wichtig erweist.

Individualist

Konsequenterweise lässt Canon im Automodus der Kamera nur sehr wenig Einflussnahme zu. Dies kommt Einsteigern entgegen, wer jedoch im Setup über die Auswahl von Zeitzone und Aufnahmeformat hinausgehen will, der wird die "HV30" ausschließlich im manuellen Modus betreiben. Häufigere Menüaufrufe sind in diesem Fall weniger ein Kritikpunkt als vielmehr ein großes Plus an Canons Camcorder. Die übersichtliche Menüstruktur lädt förmlich dazu ein, mit den diversen manuellen und automatischen Programmen für Belichtung und Co. zu experimentieren und die Möglichkeiten der "HV30" voll auszureizen.

Besonders gefallen hat uns, dass auch Parameter wie Farbsättigung, Schärfe und Kontrast feinjustiert werden können. Kritisch ist wiederum, dass die künstliche Helligkeitsverstärkung (Gain) grundsätzlich automatisch von der Kamera vorgenommen wird. Manuelle Kontrolle darüber erhält man nur über Umwege. Für Ästheten bietet die "HV30" neben diversen Bildeffekten wie Schwarz-Weiß- und Sepia-Farbgebung einen "Kinolook"-Modus, optional auch mit 25p-Aufzeichnung. Und trotz der Streitbarkeit dieses Features im Videobereich können wir dem Kinomodus der "HV30" eine gelungene Bildwirkung nicht absprechen.

Bildwunder

Wie bereits das Vorgängermodell liefert auch die "HV30" eine Bildqualität, die im HDV-Lager zu den Besten zählt und selbst die aktuellsten AVCHD-Cams locker in die Seile schicken kann. Das Video ist gestochen scharf. Die Farben wirken auch mit automatischem Weißabgleich akkurat und selbst die bei HDV berüchtigte Klötzchenbildung hält sich in Grenzen.

Unter Tages- oder Kunstlicht bietet die "HV30" kaum Anlass zur Kritik. Im Lowlight-Bereich sieht es da anders aus: Kontrastverlust und zunehmendes Rauschen mindern die Bildqualität auf nur noch durchschnittliches Niveau. Eine qualitative Reserve bietet bei schlechten Lichtverhältnissen die Aufzeichnung im 25p-Modus, zumindest wenn man auf flüssige Kameraschwenks verzichten kann.

Tonstörung

Die größten Kritikpunkte an der "HV20" waren die hörbaren Laufwerk- und Zoomgeräusche. Diese sind auch beim aktuellen Modell noch zu vernehmen, allerdings weit weniger störend. Dafür klingen die Aufnahmen der "HV30" nun etwas dumpf. Offensichtlich hat Canon zur Verminderung der Betriebsgeräusche den Hochtonbereich abgesenkt. Die Verwendung eines externen Mikrofons ist möglich und angesichts der immer noch vorhandenen Tonprobleme empfehlenswert. Wirklich vorbildlich in Sachen Ton ist die Anzeige des Mirkofonpegels auf dem Display und die Möglichkeit, dessen Empfindlichkeit bequem von Hand zu justieren. In diesem Zusammenhang ist auch der Kopfhöreranschluss zur Audiokontrolle von Vorteil.

Zu den Anschlüssen der "HV30" gibt es überwiegend Positives zu vermelden. Zwar verzichtet auch Canon auf die Zugabe eines HDMI- oder Firewire-Kabels zur Videoübertragung, darüber hinaus sind aber alle wichtigen Kabel vorhanden. Die Schnittstellen sind gut erreichbar und jederzeit im Akkubetrieb nutzbar. Das mitgelieferte Software-Paket fällt reichlich sparsam aus, lediglich eine Bildverwaltungssoftware für die maximal 3,1 Megapixel großen Fotos liegt dem Camcorder bei. Das deutsche Handbuch bietet umfangreiche Informationen, ist jedoch etwas unübersichtlich gestaltet.

Unabhängig davon ist Canons Camcorder eine Empfehlung. Vor allem für jene, die ihre filmischen Ideen selbst umsetzen wollen und dabei auf Produktivität und Bearbeitbarkeit Wert legen, könnte die "HV30" zu einem treuen Begleiter werden. Allerdings sind die Unterschiede zum Vorgänger so gering, dass auch die ältere "HV20" noch getrost in die Kaufentscheidung einbezogen werden kann.




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